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Recommender SystemeAufbau von Wechselkosten mit Unterstützung von Recommender Systemen * von stud. VWL Stefan Tröller, Universität Freiburg
In der heutigen, von steigender Komplexität und Dynamik geprägten Zeit, in der stationäre Handelsunternehmen einem ständigem Konkurrenzdruck und dem ständigen Wandel der Umweltbedingungen ausgesetzt sind, hängt das wirtschaftliche Überleben von einem maßgeblichen Erfolgsfaktor ab: dem Einkaufsverhalten der Kunden. Diese Arbeit soll die Konzepte ökonomischer "Wechselkosten" theoretisch beschreiben und zeigen, wie Anbieter im stationären Handel erfolgreich Kunden binden können, indem Sie Wechselkosten aufbauen mit Hilfe von personalisierten Produktinformationen durch Recommender Systeme. In Kapitel 1 werden hierfür Wechselkosten vor dem Hintergrund der Transaktionskostentheorie und der Informationsökonomie klassifiziert und beschrieben, wie sie im Rahmen der aktuellen Marktsituation stationärer Handelsunternehmen zu berücksichtigen sind. In Kapitel 2 soll im Kontext eines Data Mining gestützten CRM-Ansatzes gezeigt werden, wie mit Hilfe verschiedener Arten von Recommender System-Methoden eine nachhaltige Kundenbindung über die gesamte Zeit der Kundenbeziehung erreicht werden kann. Kapitel 3 enthält eine Zusammenfassung und die Einschätzung des Autors, ergänzt mit einem Ausblick auf weitere Entwicklungen und unbehandelte Themenfelder.
I. Wechselkosten in stationären HandelsunternehmenIm Mittelpunkt dieses Kapitels stehen die theoretischen Konzepte von Wechselkosten und die Strukturierung der verschiedenen ökonomischen Erklärungsansätze. 1. Grundlegende Begriffe und Einordnung von WechselkostenAusgangsgangspunkt der folgenden Ausführungen sind die begriffliche und inhaltliche Einordnung der darauf aufbauenden oder verwandten Konzepte. Dabei ist es sinnvoll mit den Begriffen „Kundenbindung“ und „Kundenbindungsmanagement“ zu beginnen, diese zu systematisieren und davon ausgehend den Begriff Wechselkosten zu definieren und zu erschließen. Unter dem Begriff „Kundenbindung“ werden sämtliche Maßnahmen eines Unternehmens verstanden, die das Ziel haben, die Verhaltensabsicht sowie das tatsächliche Verhalten des Kunden zu dem Anbieter oder dessen Leistung positiv zu gestalten, zu intensivieren oder zu erweitern.1 Daraus ergibt sich, dass man zwischen einer Anbieter bezogenen und einer Nachfrage bezogenen Sicht der Kundenbindung trennen muss.2 Die Anbieter orientierte Sicht umfasst somit alle Maßnahmen, die zu kontinuierlichen oder vermehrten Wieder-, Zusatz- und Folgekäufen führen oder verhindern, dass ein Kunde die Geschäftsbeziehung verlässt und den Anbieter wechselt.3 Weiter lässt sich Kundenbindung konzeptionieren anhand der Dimension ihrer Bindungsart. Es werden Attraktivität und Abhängigkeit unterschieden5. Attraktivität bietet dem Kunden in einer Geschäftsbeziehung einen existierenden oder zukünftigen Nettonutzen, Abhängigkeit stellt die eingeschränkte Handlungsfreiheit dar. Zusätzlich lässt sich Kundenbindung in die Arten der Bindungspotentiale aufteilen. Dazu zählen faktische, vertragliche, ökonomische, technisch-funktionale und emotionale Bindungen. Anzumerken ist, dass Abhängigkeit vorrangig durch faktische und Attraktivität primär durch emotionale Kundenbindungspotentiale hervorgerufen werden. a) Definition und BegriffsabgrenzungenDer Begriff Wechselkosten7 wird definiert als Aufwendungen8, die für einen Kunden mit seiner Abwanderung zu einem anderen Anbieter einhergehen.9 Eine ergänzende Definition findet sich bei KLEMPERER: „Switching Cost results from a comsumer’s desire for compatibility between his current purchase and a previous investment.”10 Ausgehend davon stellen Wechselkosten somit Kosten und Nutzeneinbussen dar, die ein Kunde wegen seiner Abhängigkeit tragen muss. Auch kann er bei einem Wechsel die subjektiv rational empfundenen Kosten- oder Nutzenvorteile, die er auf Grund der Attraktivität der Geschäftsbeziehung hat, verlieren. Es ist festzuhalten, dass je höher die Wechselkosten in ihrer Gesamtheit sind, desto mehr wächst die Bereitschaft, in der bestehenden Geschäftsbeziehung zu verbleiben. Abzugrenzen sind hier die Gründe der Kundenbindung, deren Wechselkosten nicht auf Kosten- oder Nutzengesichtspunkten zurückzuführen sind.11 Diese liegen bei einer emotionalen Kundenbindung vor, wenn Kunden aus emotionalen Gründen –welcher Art auch immer- den Anbieter nicht wechseln wollen. 2. Ansätze und Klassifikation von WechselkostenZur Erklärung und Typologisierung der relevanten Wechselkosten wurden aus vorhandenen Erklärungsansätzen nur die ausgewählt, die für die vorliegende Arbeit von zentraler Bedeutung sind, wobei Überschneidungen oder Auslassungen möglich sind. Die ausgewählten Ansätze aus der modernen Institutionen-Ökonomik erscheinen mir mit ihren individuellen Vor- und Nachteilen und ihren spezifischen Perspektiven geeignet, Wechselkosten zu erklären. a) Transaktionskostentheoretische PerspektiveAusgangspunkt der Transaktionskostentheorie12, ist, dass durch die Koordination von Aktivitäten der handelnden Wirtschaftssubjekte Koordinationskosten (= Transaktionskosten) entstehen. Transaktionen sind nur dann effizient, wenn die Wirtschaftssubjekte diese so organisieren, dass sie im Vergleich zu anderen Organisationsformen, wie Markt oder Hierarchie, die geringsten Transaktionskosten aufweisen.13 Das wichtigste Transaktionsmerkmal ist die Spezifität14 und die damit zusammenhängende Investition. Neben der Häufigkeit und der Annahme der Unsicherheit beim Verhalten beschränkter Rationalität oder bei opportunistischem Verhalten bestimmen sie die Höhe der Transaktionskosten. Transaktionskosten bestehen aus den anfallenden Kosten bei der Anbahnung, Abwicklung, Kontrolle, Anpassung und Auflösung von Verträgen15.
Auch wird zwischen ex-ante und ex-post Spezifität unterschieden. Durch zunehmende Spezifität der Einsatzfaktoren ändert sich die Beziehung zwischen den Akteuren; der Wechsel zu einem anderen Transaktionspartner wird zunehmend schwerer, da hierdurch entweder die so genannten Quasi Renten, d.h. die Erlösdifferenz zur nächsten Verwendungsmöglichkeit der Faktoren und/oder durch die Spezifität induzierten Kostenvorteile verloren gehen. Existieren hohe und spezifische Investitionen, so zwingt die Spezifität den Investor zur Durchführung der geplanten Transaktion(en) und begründet damit seine Abhängigkeit. Vor allem spezifische Investitionen des Kunden, die ihn an einen bestimmten Anbieter binden, stellen für potentielle Wettbewerber Barrieren dar und schützen die etablierte Geschäftsbeziehung. Damit sind sie irreversible Kosten für den Kunden und begründen damit Wechselkosten. b) Informationsökonomische Perspektive Auch die Informationsökonomie basiert auf den Annahmen der Unsicherheit und der unvollkommenen Information. Wobei die Unvollkommenheit der Information nicht als exogen vorgegeben angenommen wird. Der Informationsstand kann vielmehr durch die Marktteilnehmer beeinflusst werden. Die Unsicherheit entsteht hier aus der Vermutung der asymmetrischen Informationsverteilung zwischen den Transaktionspartnern18. Unter der Annahme der asymmetrischen Informationsverteilung und unter der Annahme von positiven Informationskosten werden opportunistische Verhaltensweisen wahrscheinlich19. Aus diesem Grund streben die Austauschpartner nach Informationssymmetrie und übertragen Informationen. Diese Informationsübertragung kann auf zwei unterschiedliche Arten erfolgen: entweder durch „Signaling“ oder durch „Screening“.20 „Signaling“ bezeichnet die Aktivitäten des Transaktionspartners mit der vollkommeneren Information. Betrachtet man die Transaktionsbeziehungen zwischen Anbieter und Kunden, so liegen die größeren Informationsdefizite in der Regel beim Kunden. Das Interesse des Anbieters ist es deshalb, die Unsicherheit des Kunden durch den Ausgleich der Informationsdefizite zu reduzieren und somit die Bereitschaft zur Transaktion zu steigern.21 Besonders die Unsicherheit bezüglich der Qualität eines Transaktionsgegenstandes kann die Beurteilung seiner Eigenschaften sehr schwierig oder sogar unmöglich machen23. Die Eigenschaften eines Transaktionsgegenstandes können in drei Kategorien unterteilt werden:
Auch wenn in der Regel ein Transaktionsgut Eigenschaften aus allen drei Kategorien aufweist24, werden gewöhnlich die Eigenschaften einer Kategorie dominierend sein. Beide Transaktionspartner werden deshalb Anstrengungen unternehmen, um die Informationsdefizite zu beseitigen, die entweder mit Kosten oder mit einem potentiellen Nutzen des Anderen verbunden sind. Ausgehend von den ökonomischen Erklärungsansätzen und anhand der Bindungsarten und Bindungspotentiale kann man Wechselkosten klassifizieren:
3. Voraussetzungen & MarkterfordernisseBei Discountern und Supermärkten - den umsatzstärksten Betriebsformen des Einzelhandels - ist ein heftiger Konkurrenzkampf zu beobachten. Steigende Wettbewerbsintensität auf gesättigten Märkten, stagnierende oder sehr geringe Wachstumsraten, gut vergleichbare Produkte bei Qualität und Preis und erhöhte Kosten beim Neugewinnen von Kunden sind im stationären Handel Hauptgründe für die Etablierung von Wechselkosten und erhöhen die Wichtigkeit der Kundenbindung gegenüber der Neukunden-Akquisition. Wegen der massiven Konkurrenz von Versand- und Auktionshandel sowie E-Commerce wird eine individuelle Kundenbeziehung für den stationären Handel immer bedeutsamer. Das Internet wird vielfach als Such- und Informationsmedium eingesetzt. Die Einkaufsstätte gestattet dagegen eine Begutachtung des Produktes mit allen Sinnen und bietet eine persönlichere Beratung26. Diese Vorteile gilt es zu nutzen für die Veränderung von undifferenziertem Masseneinkauf hin zu einer auf die Kundenwünsche abgestimmte „Erlebniswelt“. Das bewirkt nicht nur eine bessere Kundenbindung sondern ist auch langfristig notwendig für das Kundenbindungsmanagement.
II. Recommender Systeme als Instrument zur Kundenbindung1. Kundenbindung durch personalisierte Zusatzdienstleistungen Kundenbindung können durch Zusatzdienstleistungen intensiviert werden, besonders dann, wenn sie individuell gestaltet sind. Der Begriff Zusatzdienstleistungen27 (Value added Services) ist dahin gehend zu verstehen, dass sie sowohl für das Unternehmens wie auch für den Kunden einen zusätzlichen Nutzen erkennen lassen, der den üblichen Nutzen einer Geschäftsbeziehung übersteigt.28 Die Zielsetzungen von Zusatzdienstleistungen werden in ökonomische und nicht-ökonomische Ziele unterteilt. Die unterschiedlichen Formen von Zusatzdienstleistungen können anhand der Art der Leistung eingeordnet werden in:
2. Orientierung am Customer Relationship-ManagementFür ein individualisiertes Kundenbeziehungsmanagement hat sich der Begriff des Customer Relationship-Management (CRM) durchgesetzt31. Er wird wie folgt definiert „CRM umfasst den Aufbau, die kontinuierliche Optimierung sowie den Erhalt dauerhafter und gewinnbringender Kundenbeziehungen“32. a) Prinzipien des Customer Relationship-ManagementDer CRM-Ansatz bedient sich vier wesentlicher Prinzipien33: 1. Integration 2. Langfristigkeit 3. Profitabilität 4. Differenzierung b) Unterstützung durch Data Mining-Verfahren Es ist zwischen dem operativen und dem analytischen CRM zu trennen. Das operative CRM bezieht sich auf die unmittelbare Unterstützung kundenbezogener Geschäftsprozesse, wie zum Beispiel eine individuelle Kaufempfehlung. Im analytischen CRM werden alle kundenrelevanten Informationen systematisch aufgezeichnet und für eine kontinuierliche Unterstützung kundenbezogener Geschäftsprozesse analysiert. Data Mining ist die weitgehend automatische Suche nach neuartigen und interpretierbaren Beziehungsmustern in großen Datenbankbeständen und stellt einen Teilprozess des Knowlege Discovery in Database (KDD) dar. Der KDD Prozess ist der eigentliche Prozess der Mustererkennung und läuft in folgenden Schritte ab: Um eine langfristige und differenzierte Kundenbeziehung zu ermöglichen - wie anhand des CRM-Ansatzes gefordert wird - kann Data Mining eine gezielte phasenspezifische Unterstützung bieten. Fasst man die Kundenbeziehung als Kundenlebenszyklus (Customer Life time cycle)35 auf, so durchläuft ein Kunde Entwicklungen in einzelnen Phasen des Zyklus, die immer wieder spezifische Aufgaben zur Anpassung an die Geschäftsbeziehung für das Management bedeuten. aa) Einsatzbereiche von Recommender Systemen Ein Recommender System bezeichnet eine Software, deren Aufgabe darin besteht, dem Benutzer auf Grundlage seiner Präferenzen eine Empfehlung für ein Objekt zu geben. Dazu benötigt es zum Einen die ungefilterten Hintergrunddaten und zum Anderen - als weiteren Input - Informationen über den Nutzer. Das Recommender System ist ein Algorithmus, der beide Daten kombiniert und als Ergebnis personalisierte Empfehlungen generiert. Man unterscheidet das Recommender System in inhaltsbasierter und gemeinschaftsbasierter Filterung36. (1) Transformierung von Kundendaten in Kundeninformationen Vorraussetzung für Personalisierung ist ein Kundenprofil, das schrittweise aus Kundendaten gewonnen wird. Es gibt unterschiedliche Arten von Kundeninformationen, die sich anhand ihrer Erfassung bzw. Benutzereingabe unterscheiden. Quellen von Kundenprofilen sind:
Recommender Systeme, bei der die Aggregation eingesetzt wird, können gemeinschaftliches oder individuelles Wissen analysieren und transferieren. (2) Identifizierung von Kundensegmenten Im Hinblick auf die geforderte Profitabilität des CRM-Ansatzes ist es auf der Basis von gewonnenen Kundeninformationen möglich, Kunden zu segmentieren und sie anhand ihrer Profitabilität zu analysieren, ob sie in Zukunft für das Unternehmen einen Wert darstellen. Als Mittel hierzu können Cross- und Up Selling-Analysen verwendet werden37. Um Cross und Up Selling durchführen zu können, besteht auch die Möglichkeit der Warenkorb-Analyse. (3) Einbindung in Kundenkommunikationskanäle In Rahmen des CRM-Ansatzes werden alle Customer Touch Points und alle Kanäle, die der Kommunikation mit Kunden dienen, eingesetzt. Die Verwaltung und Koordination verschiedener Kanäle bezeichnet man als Multi Channel-Management. Dies muss sicher stellen, dass der Kunde immer eine einheitliche Sicht auf das Unternehmen (one face to the customer) hat, unabhängig davon, welche Kanäle er benutzt41. CICs können gleich mehrere Kommunikationskanäle unterstützen:
bb) Methoden von Recommender SystemenDie Einsatzbereiche von Recommender Systemen erfordern Voraussetzungen, die hier in allgemeiner Form beschrieben werden und nicht für spezielle Typen der Recommender Systeme. (1) Anforderungen bezüglich der KundenprofileProbleme bei einzelnen Recommender Systemen machen die gewünschten Anforderungen:
(2) Anforderungen bezüglich der Kundensegmentierung Da die Datenlage bei bereits erfassten Kunden natürlich weitaus besser ist als bei neuen Kunden, müssen bei fehlenden Merkmalen bestimmte Kriterien beachtet werden, die Aufschluss über die Bedürfnisse der Kunden geben sollen.
Diese Segmentierungkriterien müssen folgenden Anforderungen genügen:
Auch muss ein Kundenwert ermittelt werden, um die Profitabilität jedes einzelnen Kunden zu bestimmen. Dazu gibt es verschiedene Verfahren:
Besonders wichtig ist der CLV, da er auch zukünftig erwartete Umsätze abzüglich zukünftiger Kosten ermittelt, die auf den gegenwärtigen Zeitpunkt diskontiert werden. (3) Anforderungen bezüglich der Kundeninteraktion Die Interaktion erfolgt in Form von Recommendations oder Predictions. Recommendations sind Produktvorschläge für einen potentiellen Kunden durch ein System. Bei Predictions prognostiziert das System für den Nutzer die Bewertung eines bestimmten Produkts. Bei persistenter Personalisierung werden Informationen über die Kunden dauerhaft aufgezeichnet, die bei Recommendations und Predictions dazu führen, dass das System verschiedenen Kunden unterschiedliche Vorschläge macht, obwohl sie das gleiche Produkt zum Kauf in Erwägung ziehen. Unpersonalisierte Empfehlungen sind statistische Zusammenfassungen des Unternehmens wie zum Beispiel die Kaufhistorie aller Kunden, denen externe Informationen ergänzend hinzugefügt werden können. Empfehlungen, die auf Grund der Eigenschaften von Produkten gemacht werden, gehören zu den unpersonalisierten Vorschlägen. c) Verbesserungen durch Hybride AnsätzeHybride Systeme sind Empfehlungssysteme, die aus einer Kombination von Content-based Filtering und Collaborative Filtering entstehen. Ihr Ziel ist es, die individuellen Nachteile der Systeme zu minimieren, die Performance für den Empfehlungsprozess zu steigern und in Bereichen mit großen Datenmengen die Empfehlungsqualität zu verbessern. Daneben gibt es eine Vielzahl von Ansätzen, die die beiden Basistechniken unterschiedlich kombinieren und teilweise neue Aspekte integrieren. Einer der bekanntesten Vertreter von Hybriden Systemen ist das Item-based Collaborative Filtering, das unter Anderen von Amazon eingesetzt wird und Content-based mit Collaborative Filtering kombiniert. Der Empfehlungsprozess besteht bei diesem System aus einer analytischen und einer operativen Phase. Analytisch werden die Bewertungen der Nutzer in der Datenmatrix verwendet, um Ähnlichkeiten bei Produkten zu berechnen. Es existieren zahlreiche andere Methoden, die aber wegen ihres bis jetzt noch geringen praktischen Einsatzes nicht berücksichtigt werden können. 3. Ergebnis Die Notwendigkeit, Geschäftbeziehungen individueller am Kunden zu orientieren, rückt immer mehr in den Fokus der Unternehmensstrategie. Der Data-Mining gestützte CRM Ansatz beim Einsatz von Recommender Systemen soll verdeutlichen, dass es bei der systematischen Umsetzung große Chancen gibt, um die Kundenbindung mit individuellen Marketingmaßnahmen zu erhalten und zu intensivieren, jedoch existieren Einschränkungen, die es zu beachten gilt. So führt die dabei geforderte Kundensegmentierung mit Hilfe von Recommender Systemen dazu, dass identifizierte profitable Kunden mit individualisierte Zusatzdienstleistungen anhand ihrer Bedürfnissen über Kundenprofile gewonnene Informationen zusätzlich ausgestattet werden können, die ihren Kundennutzen erhöhen und auch die Cross- und Upsellingpotentiale erhöhen. So können personalisierte Zusatzdienstleistungen zum Teil erhebliche Kundenbindungspotentiale erzeugen und Abwanderungshemmnisse aufbauen. In der Praxis existieren schon Anwendungsbeispiele, wie die Firma prudsys, die unterschiedliche Software Lösungen dazu anbietet wie zum Beispiel eine Recommender Engine, Kundenprofilklassifikationsverfahren-Software und Warenkorbsanalysen-Tools.
III. Fazit und Ausblick Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Recommender Systeme eröffnen dem stationären Handel - zumindest aus theoretischer Sicht - eine Möglichkeit, den Aufbau von Wechselkosten zu unterstützen. Kritisch ist anzumerken, dass die meisten Systeme zum Teil sehr umfangreiche Nutzerprofile benötigen und beim Anlegen der Dateien datenschutzrechtliche Probleme aufwerfen können, zumal die Kunden sensibler mit der Preisgabe ihrer Daten geworden sind.
* Die vorliegende Arbeit entstand im Rahmen des Seminars "Internet-Ökonomie" von Prof. Dr. Müller im Wintersemester 2006/2007. 1 Vgl. Homburg und Bruhn (2003), S.8. 2 Vgl. Dittrich und Reinecke (2001), S.261. 3 Vgl. Dittrich und Reinecke (2001), S.263. Alternativ, vgl. Homburg und Bruhn (2003), S.10. 4 Vgl. Dittrich und Reinecke (2001), S.261. 5 Vgl. Dittrich und Reinecke (2001), S.263, „People stay in relationsships for tow major reasons: because they want to, and because they have to”, vgl. Johnson (1982), S.52 ff. 6 Vgl. Meffert (2005), S.149 ff. 7 Ab hier werden die Begriffe Wechselbarrieren (exit barriers) und (rein ökonomische) Wechselkosten synonym verwendet, auch wenn unterschiedliche Auffassungen dahinter stehen. Vgl. zum Beispiel Dick und Basu (1994). 8 Alle monetären und nicht-monetären Größen, die der Kunde durch den Wechsel ausgelöst hat, als Opfer ansieht. Vgl Plinke (2005), S.85). 9 Vgl. Plinke und Söllner (2005), S.85. 10 Vgl. Klemperer (1995) S.517 & Strüker (2005), S.57. 11 Vgl. Dittrich und Reinecke (2001), S.267. 12 Die Transaktionskostentheorie geht zurück auf Coase (1937) und wurde maßgeblich durch Beiträge von Williamson (1975,1985) weiter entwickelt. 13 Vgl. Williamson (1985), S 22. 14 Vgl. Williamson (1985), S.52. 15 Vgl. Picot (1982), S. 270. 16 Vgl. Plinke und Söllner (2005), S. 81. 17 Vgl. Picot (1982), S 270. 18 Vgl. Adler (1994), S.10 ff. 19 Vgl. Kaas (1995), Richter und Furubotn (1999). 20 Vgl. Kaas (1995). 21 Vgl. Kaas (1992), S.36 ff. 22 Vgl. Adler (1994), S.63 ff. 23 Vgl. Backhaus (1992), S.784 ff. 24 Vgl. Kaas und Busch (1996), S.244. 25 Opportunitätskosten stellen den entgangenen „Nutzen einer Andersverwendung der Ressource“dar, vgl. Plinke (1997), S.36 direkt zitiert aus Kleinaltenkamp (1998), S.371. 26 Vgl. Hippner und Wilde (2003), S.488 27 Zusatzdienstleistungen stehen immer in Verbindung zu einem Produkt vgl. Beutin (2005), S.300. 28 Vgl. Beutin (2005), S.300. 29 Vgl. Beutin (2005), S.301. 30 Vgl. Beutin (2005), S 302. 31 Vgl. Buck-Emden und Saddei (2005), S.503. 32 Vgl. Hippner und Martin (2002). 33 Vgl. Hippner und Wilde (2003), S.466. 34 Vgl. Pareto-Prinzip (80/20-Regel) ausführlich dazu Koch (1998). 35 Vgl. Hippner und Wilde (2003), S.472. 36 Vgl. Burke (2002). 37 Vgl. Hippner und Wilde (2003), S.474. 38 Dies kann im stationären Handel mittels RFID-Einsatz auf Artikelebene erreicht werden. 39 Vgl. Strüker (2005), S.118. 40 Vgl. Abschnitt 3.1 insbesondere Bequemlichkeitsdienstleistung. 41 Vgl. Hippner und Wilde (2003), S.488 ff. 42 Vgl. Meffert und Bruhn (2006).
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